Qualitätsstandards für die Berufsausbildung

Es wäre ganz einfach, die Qualität der Berufsausbildung im Gastgebergewerbe zu sichern. Die beiden Parteien, die einen Berufsausbildungsvertrag unterschrieben haben, halten sich an das was sie unterschrieben haben. Seit ich dieser Branche zu tun habe, das sind fast vier Jahrzehnte, höre ich Klagen. Beim Thema Qualität in der Berufsausbildung schiebt jeder dem anderen die Verantwortung zu. Um den Fachkräftenachwuchs zu sichern, müssen aber alle große Anstrengungen unternehmen. Das gilt nicht nur in Zeiten sinkender Bewerberzahlen oder bei einem steigenden Konkurrenzkampf um die Bewerberinnen und Bewerber. 

Der Begriff Qualität wird unterschiedlich beschrieben. Weit verbreitet ist, die Qualität als Grad der Übereinstimmung zwischen dem Anspruch und dem Ergebnis zu sehen. Qualität ist wenn die Gäste zurückkommen und nicht die Dienstleistung. Auf die Berufsausbildung übertragen sage ich, Qualität ist, wenn die Auszubildenden positiv über ihren Ausbildungsbetrieb reden. Das Gastgewerbe ist eine Branche, die keine Grenzen kennt. Wer professionell ausgebildet wird, engagiert und leistungsbereit ist, dem stehen alle beruflichen Türen offen. Die Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz, in einem der sechs Berufe der Individual- oder Systemgastronomie, müssen sich darüber bewusst sein, dass sie einen Teil ihrer bisherigen Lebensgewohnheiten aufgeben müssen.

Das Gastgeberteam muss dann arbeiten, wenn andere frei haben.  Das Wohl der Gäste steht immer im Vordergrund, da muss man ab und zu eine Überstunde in den normalen Tagesablauf einplanen. Das bedeutet nicht, dass die eine oder andere Vertragspartei sich das Recht heraus nimmt, nur die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Das gilt insbesondere für den Bereich, der in keinem Gesetz geregelt ist, der Umgang mit und zwischen den Gastgeberinnen und Gastgebern, aber auch und insbesondere mit den Auszubildenden.  Die Qualitätssicherung der Berufsausbildung ist eine Aufgabe für alle Ausbildenden, Ausbilderinnen und Ausbilder, für alle die im Gastgeberteam Auszubildende an ihrer Seite haben und für alle die außerhalb der ausbildenden Unternehmen, hauptberuflich oder ehrenamtlich, mit der Berufsausbildung im Gastgewerbe zu tun haben. Ausgehend von diesen Vorbemerkungen folgen nun Standards für die Qualität der Berufsausbildung im Gastgewerbe.

1. Standards für die Ausbildenden, Ausbilderinnen, Ausbilder und Auszubildenden

1.1 Zuverlässigkeit

Als Grundbedingung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Gastgeberteam und für die Zufriedenheit der Gäste verlassen wir uns darauf, dass die Auszubildenden, nach ihrer Leistungsfähigkeit, die ihnen übertragenen Aufgaben wahrnehmen, auch unter widrigen Umständen und ohne dauernde Überwachung oder Kontrolle.

1.2 Lehr- und Leistungsbereitschaft

Die erfolgreiche Berufsausbildung ist eine Einstellung, die sich an guten Ergebnissen und am Erfolg orientiert. Sie wird positiv und als wichtiger Bestandteil des eigenen Lebens gesehen und nicht als notwendiges Übel, im Hinblick auf vorrangige Freizeitorientierung. Die Auszubildenden sollen aktiv Neugier und Lust auf alles neue in das Unternehmen einbringen.

1.3 Ausdauer, Durchhaltevermögen und Belastbarkeit

Die Fähigkeit durchzuhalten ist wichtig, auch wenn die Arbeit während der Berufsausbildung als Belastung oder als widrig angesehen wird. Dazu gehört eine gewisse Frustrationstoleranz, um nicht bei jedem Misserfolgserlebnis oder vorläufigem Ausbleiben des Erfolges aufzugeben.

1.4 Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit

Die betrieblichen Aufgaben erfordern Genauigkeit und Ernstnehmen der Sache. Selbstdisziplin, Ordnungssinn, Pünktlichkeit und ähnliche Werte sind während der Berufsausbildung unabdingbar.

1.5 Konzentrationsfähigkeit

Nur die Fähigkeit, sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren und diese Konzentration länger als fünf bis zehn Minuten aufrechtzuerhalten, sichert das Gäste orientierte arbeiten.

1.6 Verantwortungsbereitschaft und Selbständigkeit

Um im Laufe der Berufsausbildung zu wachsen, wird für das eingestanden was einmal misslingt. Die Arbeit, etwas Unangenehmes oder Lästiges und die Verantwortung werden nicht auf andere abgeschoben.

1.7 Fähigkeit zu Kritik und Selbstkritik

Kritikfähigkeit bedeutet nicht pausenlose Diskussion über alles und jedes, sondern die Fähigkeit, das Wichtige von dem Unwichtigen zu unterscheiden,
ein Ablehnen oder Befürworten aus der Natur der Sache heraus. Genauso wichtig ist auch die Fähigkeit zur Selbstkritik, Fehler einzusehen und zu
Korrekturen bereit zu sein.

1.8 Kooperationsbereitschaft und Teamfähigkeit

Nicht Eigenbrötler oder einsame Tüftler sind gefragt, sondern auf Kooperation, auf den Austausch von Informationen, Erfahrungen und Verbesserungsvorschlägen ausgerichtete Auszubildende. Für die Zufriedenheit der Gäste ist die Zusammenarbeit im Unternehmen zwingend.

1.9 Höflichkeit und Freundlichkeit

Notwendig auftretende Differenzen bei Meinungen und Haltungen werden friedlich und konstruktiv verarbeitet, ohne offene und versteckte Aggressionen. Das setzt Sprach- und Argumentationsfähigkeit voraus und die Fähigkeit, aufkeimenden Ärger und Aggression zu kanalisieren.

1.10 Toleranz

Die Auszubildenden müssen in der Lage sein, auch dauerhaft abweichende Einstellungen, Verhalten und Meinungen bei anderen als gegeben hinzunehmen. Sie sollten aber gleicherweise deutlich und klar ablehnen, was gegen die Basiswerte des ausbildenden Unternehmens verstößt und damit Grenzen der Toleranz setzen. Sie sollten intolerant sein gegen Aggressivität, Verletzung humaner Grundwerte, Störungen des Betriebsfriedens und Leistungsverweigerung.

2. Standards für die Auszubildenden

2.1 Lernpflicht

Die Auszubildende bemühen sich, die Fertigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen zu erwerben, die zum Erreichen ihres Ausbildungszieles erforderlich sind.

2.2 Teilnahme am Berufsschulunterricht

Die Auszubildenden nehmen regelmäßig am Berufsschulunterricht teil und bemühen sich aktiv um den Erwerb des dargebotenen Lernstoffes.

2.3 Teilnahme an Prüfungen

Die Auszubildenden nehmen an den Zwischen- und Abschlussprüfungen teil. Sie nutzen die Zwischenprüfung als ernsthafte Bestandsaufnahme der bis dahin abgelaufenen Ausbildungszeit. Sie leiten aus den Ergebnissen geeignete Konsequenzen ab und verfolgen diese konsequent während der dann folgenden Ausbildungszeit.

2.4 Weisungsgebundenheit

Die Auszubildenden folgen den Weisungen, die sie durch weisungsberechtigte Personen erhalten.

2.5 Einhalten der Ordnung

Die Auszubildenden beachten die für die Ausbildungsstätte geltende Betriebsordnung.

2.6 Ausbildungsnachweisführung

Die Auszubildenden führen ordnungsgemäß und schriftlich ihre Ausbildungsnachweise. Sie legen diese unaufgefordert und regelmäßig der Ausbilderin oder dem Ausbilder vor. Alle Anmerkungen und Optimierungsvorschläge werden umgehend erledigt.

2.7 Pflegliche Behandlung der Ausbildungsmittel

Die Auszubildenden behandeln die ihnen zur Verfügung gestellten Ausbildungsmittel und sonstigen Einrichtungen der Ausbildungsstätte pfleglich.

2.8 Benachrichtigungspflicht

Die Auszubildenden geben den Ausbildenden unverzüglich und unter Angabe von Gründen eine Nachricht, wenn sie von der betrieblichen Ausbildung, vom Berufsschulunterricht oder von sonstigen Ausbildungsveranstaltungen Fernbleiben. Bei Krankheit oder Unfall leiten sie spätestens am dritten Tag eine ärztliche Bescheinigung an den Ausbildenden weiter. Zeitgleich informieren sie ihre Ausbilderin oder ihren Ausbilder.

2.9 Sorgfältige Ausführung von Aufgaben

Die Auszubildenden verrichten sorgfältig die Aufgaben, die ihnen im Rahmen ihrer Berufsausbildung zum Erwerb der Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten nach dem Ausbildungsplan aufgetragen werden.

2.10 Geheimhaltungspflicht

Die Auszubildenden bewahren über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen.

3. Standards für die Ausbildenden und die von ihnen benannten

    Ausbilderinnen oder Ausbilder

3.1 Ausbildungspflicht

Die Ausbildenden oder die von ihnen benannten Ausbilderinnen und Ausbilder vermitteln den Auszubildenden die im Ausbildungsplan festgelegten Fertigkeiten und Kenntnisse, die zum Erreichen des Ausbildungszieles erforderlich sind. Dabei halten sie die zeitlichen Richtwerte des Ausbildungsplanes ein. Sie ermöglichen, durch geeignete Arbeiten für die Gäste, den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrung.

3.2 Freistellung für Berufsschulunterricht

Die Ausbildenden oder die von ihnen benannten Ausbilderinnen und Ausbilder stellen die Auszubildenden zum Besuch der Berufsschule frei und halten sie an regelmäßig am Unterricht teilzunehmen.

3.3 Freistellung für außerbetriebliche Ausbildung

Die Ausbildenden oder die von ihnen benannten Ausbilderinnen und Ausbilder stellen die Auszubildenden für die vereinbarten Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte frei.

3.4 Benennung weisungsberechtigter Personen

Die Ausbildenden benennen zu Beginn der Berufsausbildung geeignete Ausbilderinnen oder Ausbilder sowie weitere weisungsberechtigte Personen und teilen den Auszubildenden während der Ausbildungszeit rechtzeitig alle Veränderungen mit.

3.5 Aufsichtspflicht

Die Ausbildenden oder die von ihnen benannten Ausbilderinnen und Ausbilder beaufsichtigen minderjährige Auszubildende während der betrieblichen Ausbildung oder delegieren diese Aufgabe an weisungsbefugte Personen.

3.6 Ausbildungsnachweiskontrolle

Die Ausbildenden oder die von ihnen benannten Ausbilderinnen und Ausbilder händigen den Auszubildenden vor Ausbildungsbeginn und während der Ausbildungszeit kostenfrei die Ausbildungsnachweise für die Berufsausbildung aus, überwachen deren ordnungsgemäße, schriftliche Führung und unterschreiben sie regelmäßig.

3.7 Bereitstellung der Ausbildungsmittel

Die Ausbildenden oder die von ihnen benannten Ausbilderinnen und Ausbilder stellen den Auszubildenden kostenlos die Ausbildungsmittel zur Verfügung, die zur Berufsausbildung und zum Ablegen von Zwischen- und Abschlussprüfungen erforderlich sind. Das gilt auch auch soweit solche nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses stattfinden.

3.8 Urlaubs- und Freizeitgewährung

Die Ausbildenden oder die von ihnen benannten Ausbilderinnen und Ausbilder gewähren den Auszubildenden einen möglichst zusammenhängenden Urlaub, nach Maßgabe der gesetzlichen oder tariflichen Bestimmungen. Sie erstellen rechtzeitig, unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften, die Dienstpläne und gewähren den erforderlichen Zeitausgleich bei einer Überschreitung der darin festgelegten Arbeitszeiten.

3.9 Zweckgebundene Übertragung von Aufgaben

Die Ausbildenden oder die von ihnen benannten Ausbilderinnen und Ausbilder übertragen den Auszubildenden ausschließlich Aufgaben die dem Ausbildungszweck dienen und ihren körperlichen Kräften angemessen sind.

3.10 Zeugnispflicht

Die Ausbildenden stellen den Auszubildenden bei Beendigung des Ausbildungsverhältnisses ein Zeugnis aus. Die Ausbilderinnen oder Ausbilder erstellen dafür rechtzeitig vor dem Ende der Berufsausbildung einen Entwurf.

3.11 Rechtvorschriften

Die Ausbildenden, Ausbilderinnen, Ausbilder und alle im ausbildenden Unternehmen weisungsberechtigten Personen beachten während der gesamten Ausbildungszeit alle Gesetze und Rechtsvorschriften die im Zusammenhang mit dem Berufsausbildungsverhältnis einzuhalten sind.